Hiermit möchte ich endlich mal meinen Neuzugang vorstellen. Der heiße Tipp kam von Seba, dafür nachträglich noch einmal ein ganz herzliches DANKE!
Aber von vorne, daher wird das eine längere Geschichte :-) In meiner langen Mungazeit habe ich immer von einem 6er geträumt. Leider bot sich das aber zu keiner Zeit wirklich an und die aktive Suche war zum Teil sehr ernüchternd. In den letzten (vielen) Jahren rückte der Gedanke immer weiter in den Hintergrund, eigentlich hatte ich die Hoffnung aufgegeben und Baustellen hatte (habe!!!) ich sowieso viel zu viele!
Wir haben hier im Westen eine sehr kleine aber feine Munga-Schraubergemeinschaft, bestehend aus Simon, Freddy und mir. Dort muss ich wohl mal erwähnt haben, dass die Gedanken immer wieder mal um einen 6er kreisen. Das muss am Bier gelegen haben…
Freddy leitete mir dann Anfang 2025 einen sehr frischen Link von Seba weiter. Ein 6er irgendwo in Frankreich. Hmm… ja, nee, is klar…! Aber der Preis war HEISSS…! Was man auf den Bildern erkennen konnte, war aber erst mal gar nicht schlecht. Nein, das war sogar sehr gut! Die erste kleine Hürde für die Anmeldung auf der französischen Kleinanzeigenseite, um dann Kontakt zum Verkäufer aufnehmen zu können, war dank Internet-Übersetzer schnell genommen. Der Verkäufer meldete sich auch schnell zurück. Es entwickelte sich eine interessante Kommunikation mit viel hin-und-her-Übersetzerei. Zum Schluss musste er mir leider mitteilen, dass ich der zweite Interessent bin und er sich etwas Bedenkzeit erbittet. Nach drei Tagen erhielt ich dann die Nachricht, dass er sich fairerweise für den Ersten entschieden hatte.
Nach vier Tagen erhielt ich dann aber eine Nachricht, ob ich noch Interesse an dem Auto hätte, der Erste war abgesprungen (dazu später mehr!). Ich habe natürlich sofort zugesagt und fing Samstag spät abends noch mit der Planung und Organisation für die am nächsten Tag geplante Reise an. Am Sonntag hatte ich mich dann mit meinem guten Freund Hellmut (vielen Dank!) auf den, aus dem Ruhrgebiet, etwa 720km langen Weg in das Departement Jura in der Region Bourgogne-Franche-Comte gemacht.
Freie Fahrt, ohne Vorkommnisse, Ziel direkt gefunden, sehr freundlicher Empfang, mit leichten Verständigungsschwierigkeiten :-) Der Munga stand schon im Hof, ich schlich natürlich sofort drum herum, (Achtung Ohrwurm…) drüber, drunter und durch! Aufladen! Nehme ich!
Die Verkäufer waren zwei Brüder von 14 und 16 Jahren, begleitet von ihrem Vater. Sie hatten das Auto vor einigen Jahren von ihrem Onkel geerbt bzw geschenkt bekommen. Der Onkel war seinerzeit beruflich im Kongo tätig, wo er das Auto fand und nach Frankreich exportierte. In Frankreich hat der Onkel das Auto dann aufbereitet, so wie ich es dann dort stehen sah.
Der Motor und der Kühler waren gemacht worden, die Karosse wurde überlackiert. Es gibt das ein oder andere Fehlteil, die Elektrik ist komplett selbst erstellt, die Lima wurde ersetzt, es gibt keine Rückbänke und kein Verdeck, es gibt keine Boschheizung. Der Kupplungshebel am Getriebe wollte nicht mehr klemmen, Innenverzahnung rund! (...merken!)
Kurz zum ersten Interessenten: Dieser kam aus etwa 150km Entfernung, hatte sich schon auf den Weg gemacht und rief den Verkäufer während dessen noch einmal an: Er möge den Motor bitte starten, er wolle zumindest sichergehen, dass der Motor läuft, bevor er diese weite Strecke fährt! Der Motor ließ sich nicht starten… Aussage Verkäufer: Völlig erbost und außer sich, beschimpfte der Interessent darauf hin den Verkäufer, er solle seinen Scheiß behalten!
Uns wurde noch ein vorzüglicher Kaffee und etwas Gebäck geboten, bevor wir uns auf den Rückweg machten, der genauso frei von Vorkommnissen verlief.
Hier stand er nun einige Zeit, auf der Ladefläche sammelten sich einige Fehl- und Austauschteile. An dieser Stelle noch einmal einen ganz herzlichen Dank an die beste aller Ehefrauen (frei nach Kishon), Seba, Pipi, Freddy, Simon, Hellmut und allen Beteiligten! Ohne Euch wäre das alles vollkommen unmöglich gewesen!
Da es mir an der Zeit gefehlt hat, hatte Freddy Kontakt zu Mister Munga aufgenommen, um etwas über die Historie des Munga zu erfahren. Mister Munga hat auch umgehend einen sehr schönen und aufschlussreichen Bericht dazu versendet! Lieben Dank an Mister Munga!
Ende 2025 gingen wir endlich mal daran, den Motor zu starten. Inzwischen hatten wir einen gereinigten Vergaser montiert, Batterie drangetüddelt, Schlüssel rum: nix! Anlasser ausgebaut und siehe da… ja, genau, man sieht ja gar nix! Das Anlasserritzel samt Freilauf war nicht zu sehen! Komplett von einer Art Tonerde oder Zement umschlossen, die Anlasserglocke war regelrecht ausgegossen damit. Ziemlich festes Zeug, recht hartnäckig zu entfernen. Anlasser zerlegt und gereinigt, Spannung dran, alles gut! Rennt wie Sau! Damit sprang er dann direkt an und lief wunderschön! Erleichterung! Freude! Prost!
Nun wollte ich auch so langsam mal damit fahren. Ein neuer Kupplungshebel war schnell montiert, Motor gestartet! Der Tritt auf das Kupplungspedal war allerdings nicht so vielversprechend, fühlte sich komisch an. Es ließ sich auch kein Gang einlegen. Start mit eingelegtem Gang ging auch nicht. Keine Experimente, Motor raus! Und an dieser Stelle ist die Geschichte nun leider erst mal zu Ende. Der Motor geht nicht raus. Offenbar sind die Kupplungsscheibe und die Getriebeeingangswelle eine unzertrennbare Verbindung eingegangen. Das erklärt vielleicht, warum die Verzahnung des Kupplungshebels rund war.
Aber auch das bekommen wir gelöst…! Ich werde berichten!
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Grüße, Marcus
"Uuund kehrt! Dreißig Kilometer querfeldein fahren! Los! Loslosloslos!! LOOOS!!!" "Jetzt mach ich mir meine Felgen ganz schmutzig..."
Danke für die Fortsetzung der Historie. Bereits im April 2024 wurde der Munga in Frankreich angeboten. Leider sehr lange vergeblich. Anfänglich hatte ich auch Bedenken wegen der Fahrgestellnummer und des Fabrikschildes. Es erschien auffällig, dass in Frankreich ein Munga 6 stand, der eigentlich als einer von 3 Munga 6 aus einer Serie November 1967 nach Brazzaville im Kongo ausgeliefert wurde. Nun ja, es gab vereinzelt Reimporte gebrauchter Fahrzeuge aus dem Ausland, nicht nur aus Afrika, sondern auch hier und da immer wieder Rückläufer (von Neuwagen) zum Werk, die vom Empfänger nicht abgenommen oder vor Ort verkauft werden konnten.
Nach weiterer Klärung und unter Hilfe des französischen DKW und Auto Union Fanatik Clubs konnte Weiteres eruiert werden. Interessenten gab es genug, selbst ein Traditionsmitarbeiter der AUDI Tradition hat lange über den Kauf nachgedacht. „Haben ist besser als brauchen, aber man muss nicht alles haben, wenn der heimische Fundus bereits mehr als gefüllt ist“…. Auch Munga-Freunde aus Italien und den neuen Bundesländern zeigten Interesse, aber bei der Entfernung....... So dauerte es letztlich fast ein Jahr, bis sich endlich für diese Rarität ein Käufer fand. Leider verliefen meine weiteren Recherchen im Kongo zur Historie im Sand.
Auffällig ist auch hier wieder das Fabrikschild ohne Baujahr, da der Munga am 8.11.1967 gebaut wurde aber den Empfänger erst per Schiff 1968 erreichte. Einige Bauteile fehlten natürlich 2024, bei der Historie sicherlich kein Wunder. Ergänzend wäre noch darauf hinzuweisen, dass der derzeit montierte 1000er Motor aus Februar 1963 stammt. Leider kann ich nicht explizit nach einer Motornummer suchen, da ich diese im Rahmen der Auswertung der gefertigten DKW Munga nicht erfasst habe. So kann nicht festgestellt werden, ob der Motor bereits in Afrika oder erst in Frankreich montiert wurde und von welchem Spenderfahrzeug oder aus welcher Instandsetzungsreihe er stammt. Weiterhin viel Erfolg bei der Restaurierung.